Penisprothese: Behandlungsoption bei schwerer erektiler Dysfunktion

Eine Penisprothese – auch Penisimplantat oder Schwellkörperimplantat genannt – ist ein medizinisches Implantat, das operativ in die Schwellkörper des Penis eingesetzt wird. Sie kommt für Männer mit erektiler Dysfunktion (Erektionsstörung) infrage, denen Tabletten, Injektionen oder eine Vakuumpumpe nicht ausreichend helfen. Ziel der Behandlung ist, Geschlechtsverkehr wieder planbar zu ermöglichen.

Auf dieser Seite erfahren Sie, welche Prothesentypen es gibt, wie der Eingriff abläuft, welche Risiken bestehen und welche Alternativen Sie vorher kennen sollten. Ihre persönlichen Fragen klären wir im Beratungsgespräch.

Für wen kommt eine Penisprothese infrage?

Eine Penisprothese ist in der Regel nicht der erste Behandlungsschritt. Sie kann sinnvoll sein, wenn:

  • eine erektile Dysfunktion trotz medikamentöser Behandlung weiter besteht,
  • Tabletten, die Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) oder eine Vakuumpumpe nicht ausreichend wirken, nicht vertragen werden oder aus medizinischen Gründen nicht infrage kommen,
  • die Erektionsstörung überwiegend körperlich bedingt ist – zum Beispiel bei Diabetes, Gefäßerkrankungen, nach Operationen oder bei Erkrankungen des Schwellkörpers wie einer Penisverkrümmung (Induratio penis plastica),
  • Sie sich nach ausführlicher ärztlicher Aufklärung eine langfristige Lösung wünschen.

Vor einer endgültigen Entscheidung ist ein sexualmedizinisches bzw. psychologisches Gespräch empfehlenswert. Wenn Sie in einer Partnerschaft leben, kann es hilfreich sein, Ihre Partnerin oder Ihren Partner in die Beratung einzubeziehen.

Wann ist der Eingriff nicht möglich?

Gegen eine Implantation spricht, wenn eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung im Vordergrund steht oder wenn aus gesundheitlichen Gründen keine Narkose möglich ist. [PRÜFEN: weitere Gegenanzeigen ergänzen, z. B. bestehende Infektionen]

Hintergrund: Ursachen der erektilen Dysfunktion

Von einer erektilen Dysfunktion spricht man, wenn über mehrere Monate hinweg keine Erektion erreicht oder gehalten werden kann, die für Geschlechtsverkehr ausreicht. Erektionsstörungen werden mit zunehmendem Alter häufiger. Meist wirken mehrere Faktoren zusammen.

Psychische Faktoren können zum Beispiel sein:

  • Stress und Leistungsdruck, auch beruflich
  • Angst, sexuell zu versagen
  • Konflikte in der Partnerschaft oder eine Trennung

Körperliche Ursachen sind unter anderem:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • Durchblutungsstörungen der Penisarterien
  • ein venöses Leck (der Schwellkörper kann das Blut nicht halten)
  • Erkrankungen des Schwellkörpers, z. B. Penisverkrümmung, oder Gewebeschäden nach einem Priapismus (schmerzhafte Dauererektion)
  • Testosteronmangel
  • neurologische Erkrankungen und Bandscheibenvorfälle
  • bestimmte Medikamente
  • Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum

Diagnostik vor der Entscheidung

Bevor eine Prothese in Betracht gezogen wird, steht eine gründliche Abklärung: ein ausführliches Gespräch, die körperliche Untersuchung und Blutwerte wie Testosteron und Prolaktin. Zusätzlich kann eine Doppler-Ultraschalluntersuchung der Penisgefäße erfolgen. Dabei wird ein Wirkstoff (Alprostadil, ein Prostaglandin E1) in den Schwellkörper gespritzt, um eine Erektion auszulösen und Gewebe und Gefäße im Ultraschall zu beurteilen. So lässt sich einschätzen, ob die Störung eher körperlich, psychisch oder gemischt bedingt ist.

Behandlung: Prothesentypen und Ablauf

Welche Penisprothesen gibt es?

Es gibt zwei Hauptgruppen: hydraulische (aufpumpbare) und biegsame (semirigide, englisch „malleable“) Prothesen. In der Praxis werden Modelle des Herstellers Boston Scientific verwendet:

TypModellFunktionsweiseKann passen, wenn …
Hydraulisch, dreiteiligAMS 700Zwei Zylinder im Schwellkörper, eine Pumpe im Hodensack und ein Flüssigkeitsreservoir im Unterbauch. Durch Drücken der Pumpe fließt Kochsalzlösung in die Zylinder; über einen Ablassknopf wird der Penis wieder weich.Sie einen möglichst natürlichen Wechsel zwischen Ruhezustand und Erektion wünschen.
BiegsamTactraFormbare Stäbe im Schwellkörper; der Penis wird von Hand in die gewünschte Position gebracht. Er bleibt dauerhaft fest, lässt sich im Alltag aber unauffällig nach unten biegen.Ihnen eine einfache Handhabung ohne Pumpe wichtig ist, z. B. bei eingeschränkter Fingerfertigkeit.

Welche Prothese zu Ihnen passt, hängt von Ihren Begleiterkrankungen, Ihrer Fingerfertigkeit, Ihren Wünschen und auch von finanziellen Überlegungen ab. Im Beratungsgespräch können Sie sich die verschiedenen Modelle ansehen und in die Hand nehmen.

Ablauf Schritt für Schritt

1. Beratung und Aufklärung. Wir besprechen Ihre Vorgeschichte, die bisherigen Behandlungen, Chancen und Grenzen des Eingriffs sowie die Risiken.

2. Vorbereitung. Penisprothesen sind als Fremdkörper empfindlich gegenüber Infektionen. Deshalb gehören eine sorgfältige Hygiene vor und nach der Operation und die Behandlung möglicher Infektionsquellen zur Vorbereitung. Die einzelnen Hygieneschritte werden Ihnen genau erklärt. [PRÜFEN: Empfehlungen zu Rauchen/Alkohol und Voruntersuchungen vor der OP]

3. Die Operation – hydraulische Prothese (dreiteilig).

  • Über einen Schnitt an der Unterseite des Penis wird der Schwellkörper vorsichtig erweitert, und die beiden Zylinder werden eingesetzt.
  • Im Hodensack wird Platz für die Pumpe geschaffen. Sie wird so platziert, dass sie sich gut mit der Hand bedienen lässt.
  • Das Flüssigkeitsreservoir wird im Unterbauch platziert. [PRÜFEN: genaue Lage des Reservoirs]
  • Die Verbindungsschläuche werden unter der Haut geführt und dicht angeschlossen. Zum Schluss wird die Funktion der Prothese geprüft.

3. Die Operation – biegsame Prothese.

  • Über einen Schnitt am Penis werden die Schwellkörper erweitert, die passende Länge wird gemessen und die Stäbe werden eingesetzt.
  • Die Wunde wird verschlossen, und die Biegsamkeit der Prothese wird geprüft.

Falls zusätzlich ein vorzeitiger Samenerguss behandelt werden soll, ist dies in vielen Fällen in derselben Narkose möglich.

4. Nachsorge. Nach der Operation folgen Kontrolltermine und – bei hydraulischen Modellen – die Anleitung zur Bedienung der Pumpe (siehe „Heilung und Nachsorge“).

Risiken und mögliche Komplikationen

Wie jede Operation ist auch die Implantation einer Penisprothese mit Risiken verbunden. Wir besprechen sie im Aufklärungsgespräch ausführlich.

Während der Operation

  • Blutungen: Sie werden während des Eingriffs gestillt (bipolare Verödung).
  • Verletzung oder Durchstoßen des Schwellkörpers: Eine Verletzung kann genäht, ein Durchstoßen mit einem Kunststoffpatch (Gore-Tex) verschlossen werden.

Nach der Operation und im weiteren Verlauf

  • Infektion: Sie ist die häufigste und schwerwiegendste Komplikation, weil die Prothese ein Fremdkörper aus Silikon ist. Mögliche Folgen sind eine Behandlung mit gezielt ausgewählten Antibiotika, im ungünstigen Fall die Entfernung der Prothese, Vernarbungen im Schwellkörper und eine erschwerte spätere Neuimplantation. Antibiotika während und nach der Operation sowie strikte Hygiene senken das Risiko.
  • Schwellungen, Blutergüsse und Schmerzen: In den ersten Wochen sind Spannungsgefühl und Schmerzen an Penis und Hodensack möglich, vor allem bei den ersten Pump- und Ablassversuchen. Schwellungen und bläuliche Verfärbungen bilden sich in der Regel zurück.
  • Mechanische Probleme: Eine hydraulische Prothese kann sich unvollständig füllen – etwa durch ein fehlerhaftes Ventil nach vielen Jahren, ein nicht ausreichend gefülltes Reservoir oder wenn die Prothese anfangs nicht regelmäßig betätigt wurde. Luft im System kann Geräusche beim Pumpen verursachen. Materialverschleiß ist möglich und kann in seltenen Fällen nach etwa 10 Jahren eine Austauschoperation erforderlich machen. Biegsame Prothesen können selten nach vielen Jahren brechen.
  • Lage- und Längenprobleme: Ist eine biegsame Prothese zu lang, kann sie im ungünstigen Fall durch die Eichel nach außen dringen. Ist sie zu kurz, kann die Eichel nach unten abknicken. Eine sorgfältige Längenmessung während der Operation soll das vermeiden.
  • Narben: Sie liegen an der Unterseite von Penis bzw. Hodensack und sind in der Regel dünn und unauffällig.
  • Dauerhafte Veränderung des Schwellkörpers: Die Implantation verändert das Schwellkörpergewebe. Eine Revision oder ein Austausch ist technisch anspruchsvoller als der Ersteingriff. [PRÜFEN: ärztliche Aussage zu Rest-Erektion, Penislänge und Empfinden nach der Implantation]
  • Allgemeine Risiken von Operation und Narkose, die im Aufklärungsgespräch besprochen werden.

Alternativen zur Penisprothese

Bevor eine Prothese infrage kommt, sollten die weniger invasiven Möglichkeiten geprüft werden:

  • Tabletten (PDE-5-Hemmer) wie Tadalafil, Sildenafil oder Vardenafil. Sie werden vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen, möglichst nicht zusammen mit einer fettreichen Mahlzeit. Bei bestimmten Herz- und neurologischen Erkrankungen dürfen sie nicht eingenommen werden. Mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, eine verstopfte Nase oder Sehstörungen (Blausehen).
  • Alprostadil in die Harnröhre (MUSE) als örtliche Anwendung.
  • Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT): Sie spritzen sich Alprostadil nach Anleitung selbst in den Schwellkörper.
  • Vakuumpumpe: Ein Zylinder wird über den Penis gestülpt, ein Unterdruck lässt Blut in die Schwellkörper strömen, ein Ring an der Peniswurzel hält die Erektion.
  • Sexualtherapie oder psychologische Begleitung, besonders wenn psychische Faktoren eine Rolle spielen.
  • Behandlung von Begleiterkrankungen und Lebensstil: Diabetes, Bluthochdruck, Rauchen und Alkohol beeinflussen die Erektionsfähigkeit.
  • Eigenbluttherapie (PRP, „P-Shot“): Dieses Verfahren mit aufbereitetem Eigenblut wird derzeit wissenschaftlich untersucht, unter anderem bei leichter erektiler Dysfunktion. Es ist keine Standardtherapie; ob es für Sie infrage kommt, sollte individuell besprochen werden.

Operationen an den Penisvenen (Venenligatur) gelten heute als überholt. Wenn die genannten Möglichkeiten ausgeschöpft sind, ist die Penisprothese in vielen Fällen die verbleibende Behandlungsoption.

Heilung und Nachsorge

  • Verband: Der Kompressionsverband sollte nicht zu früh entfernt werden.
  • Antibiotika: Sie werden nach der Operation etwa 10 Tage lang eingenommen.
  • Heilungsphase: Die Wundheilung dauert etwa zwei Wochen. Bis zur vollständigen Heilung ist sorgfältige Hygiene wichtig.
  • Baden und Schwimmen: mindestens vier Wochen nicht.
  • Geschlechtsverkehr: frühestens nach vier Wochen; empfohlen sind sechs Wochen.
  • Arbeitsfähigkeit: Je nach Tätigkeit ist eine Arbeitsunfähigkeit von etwa 3–4 Wochen sinnvoll.
  • Funktion: Bei unkompliziertem Heilungsverlauf ist die Prothese nach etwa 3–4 Wochen voll funktionsfähig. Bei hydraulischen Modellen lernen Sie die Bedienung der Pumpe Schritt für Schritt. Das regelmäßige vollständige Aufpumpen nach ärztlicher Anleitung hält den Raum im Schwellkörper offen und beugt Blutergüssen vor.
  • Kontrollen: Engmaschige Nachsorgetermine helfen, Komplikationen früh zu erkennen. [PRÜFEN: Zeitpunkte der Kontrolltermine]

Melden Sie sich bitte zeitnah, wenn Fieber, zunehmende Rötung, Schwellung oder Schmerzen auftreten.

Kosten

Die Kosten hängen vom gewählten Verfahren und vom Prothesenmodell ab und werden im Beratungsgespräch transparent besprochen. [PRÜFEN: Hinweis zur Kostenübernahme durch gesetzliche und private Krankenversicherungen]

Häufige Fragen zur Penisprothese

Sieht man von außen, dass ich eine Penisprothese habe?

Alle Teile liegen vollständig im Körper. Die Narben befinden sich an der Unterseite des Penis bzw. am Hodensack und sind in der Regel unauffällig. Eine hydraulische Prothese ist im Ruhezustand weich; eine biegsame Prothese bleibt fest, lässt sich aber im Alltag nach unten biegen.

Bleiben Gefühl, Orgasmus und Samenerguss erhalten?

Die Prothese übernimmt die Versteifung des Penis. Empfinden, Orgasmus und Samenerguss bleiben in der Regel erhalten. [PRÜFEN: ärztliche Bestätigung] Mögliche Veränderungen besprechen wir offen im Aufklärungsgespräch.

Wie lange hält eine Penisprothese?

Penisprothesen sind für eine Nutzung über viele Jahre ausgelegt. In seltenen Fällen kann nach etwa 10 Jahren Materialverschleiß auftreten. Dann kann die Prothese in einer weiteren Operation ausgetauscht werden. Über die Leistungen des Herstellers bei einem Defekt informieren wir Sie im Beratungsgespräch. [PRÜFEN: aktuelle Herstellerbedingungen Boston Scientific]

Wie bediene ich eine hydraulische Prothese?

Sie drücken mehrmals auf die Pumpe im Hodensack; dadurch fließt Flüssigkeit aus dem Reservoir in die Zylinder und der Penis wird steif. Über einen Ablassknopf an der Pumpe fließt die Flüssigkeit zurück. Die Bedienung wird nach der Heilung gemeinsam geübt.

Wann kann ich wieder Geschlechtsverkehr haben?

Frühestens nach vier Wochen, empfohlen sind sechs Wochen. Den genauen Zeitpunkt legen wir bei der Nachkontrolle fest.

Kann der Eingriff mit einer Behandlung des vorzeitigen Samenergusses kombiniert werden?

Ja, in vielen Fällen ist das in derselben Narkose möglich. Ob es für Sie sinnvoll ist, klären wir im Beratungsgespräch. Mehr dazu finden Sie auf der Seite Selektive dorsale Neurektomie.

Merkt meine Partnerin oder mein Partner einen Unterschied?

Das ist individuell verschieden. Die Prothese liegt vollständig im Körper. Viele Männer empfinden es als hilfreich, offen mit der Partnerin oder dem Partner zu sprechen – gern auch gemeinsam im Beratungsgespräch.

Beratung bei Dr. med. Aref Elseweifi

Dr. med. Aref Elseweifi ist Facharzt für Urologie mit 39 Jahren Berufserfahrung und auf die Intimchirurgie und rekonstruktive Chirurgie des Mannes spezialisiert. Im persönlichen Gespräch klären wir, ob eine Penisprothese für Sie geeignet ist, welches Modell infrage kommt und welche Alternativen es gibt – diskret und ohne Zeitdruck.

Die Beratung findet in der Praxis in Berlin-Zehlendorf (Teltower Damm 35, 14169 Berlin) statt; operiert wird in der Klinik Schöneberg (Fuggerstraße 23, 10777 Berlin).

Beratung anfragen · [Anrufen: 030 5057 9324](tel:+493050579324)

Quellen: Produktinformationen Boston Scientific (AMS 700, Tactra) · EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health, 2026, Kapitel „Management of Erectile Dysfunction“: https://uroweb.org/guidelines/sexual-and-reproductive-health/chapter/management-of-erectile-dysfunction

Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.

Medizinisch geprüft von Dr. med. Aref Elseweifi, Facharzt für Urologie · Stand: [PRÜFEN]