Inkontinenz-OP beim Mann: Behandlung der Harninkontinenz nach einer Prostata-Operation
Ungewollter Urinverlust kommt nach einer Prostata-Operation nicht selten vor und ist kein Grund, sich zu schämen. Oft bessert er sich in den ersten Monaten von selbst und mit gezieltem Beckenbodentraining. Bleibt eine belastende Inkontinenz trotzdem bestehen, kann eine Inkontinenz-OP beim Mann infrage kommen: Je nach Ausprägung wird eine Männerschlinge oder ein künstlicher Schließmuskel (artifizieller Sphinkter) eingesetzt. Ziel der Behandlung ist, den Urinverlust zu verringern und den Alltag zu erleichtern.
Auf dieser Seite erfahren Sie, wann eine Operation sinnvoll sein kann, was vorher versucht werden sollte, wie die beiden Verfahren funktionieren, welche Risiken bestehen und welche Alternativen es gibt.
Für wen kommt eine Inkontinenz-OP infrage?
Eine Operation steht in der Regel nicht am Anfang der Behandlung. Sie kann sinnvoll sein, wenn:
- nach einer radikalen Prostatektomie oder einer anderen Operation an der Prostata, etwa einer TURP, weiterhin Urin verloren geht,
- es sich überwiegend um eine Belastungsinkontinenz handelt, also um Urinverlust beim Husten, Niesen, Heben, Aufstehen oder Gehen,
- Beckenbodentraining und andere konservative Maßnahmen über eine ausreichend lange Zeit nicht genug geholfen haben,
- seit der Prostata-Operation genügend Zeit vergangen ist und sich der Zustand nicht mehr wesentlich bessert [PRÜFEN: übliche Mindestwartezeit nach der Prostatektomie],
- der Urinverlust Sie im Alltag, im Beruf oder in Ihrer Partnerschaft deutlich belastet.
Wann wird nicht oder noch nicht operiert?
Vor einer Operation müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Gegen einen Eingriff zum jetzigen Zeitpunkt können sprechen:
- eine bestehende Harnwegsinfektion, die zuerst behandelt wird,
- eine Verengung der Harnröhre oder der Verbindungsstelle zwischen Blase und Harnröhre; sie muss vorher behandelt werden, siehe Harnröhrenrekonstruktion,
- eine überwiegende Dranginkontinenz (plötzlicher, kaum aufschiebbarer Harndrang), bei der andere Behandlungen im Vordergrund stehen,
- eine unvollständige Blasenentleerung mit Restharn, die erst abgeklärt werden muss,
- beim künstlichen Schließmuskel: wenn die Pumpe aufgrund eingeschränkter Fingerfertigkeit oder Einschränkungen des Gedächtnisses nicht sicher bedient werden kann.
Ob ein Eingriff in Ihrer Situation sinnvoll ist, wird nach sorgfältiger Untersuchung individuell beurteilt.
Hintergrund: Warum kommt es nach einer Prostata-Operation zu Inkontinenz?
Mit Harninkontinenz (Incontinentia urinae) bezeichnet man den unkontrollierten Verlust von Urin. Beim Mann sorgen zwei Mechanismen dafür, dass die Blase dicht bleibt: ein innerer Verschluss am Blasenausgang und der äußere Schließmuskel, der direkt unterhalb der Prostata liegt.
Bei einer radikalen Prostatektomie wird die Prostata vollständig entfernt. Der innere Verschluss geht dabei weitgehend verloren, und der äußere Schließmuskel, der sehr nah an der Prostata liegt, muss die Aufgabe allein übernehmen. Auch eine Bestrahlung kann seine Funktion beeinträchtigen. Seltener tritt Inkontinenz nach einer Operation bei gutartiger Prostatavergrößerung auf.
Formen der Harninkontinenz
| Form | Typisch |
|---|---|
| Belastungsinkontinenz | Urinverlust bei körperlicher Belastung. Häufigste Form nach Prostatektomie; hierfür ist die Inkontinenz-OP gedacht. |
| Dranginkontinenz | Plötzlicher, starker Harndrang mit Urinverlust. Wird in der Regel nicht operativ behandelt. |
| Mischinkontinenz | Kombination aus beiden Formen; die Behandlung richtet sich nach dem überwiegenden Anteil. |
| Überlaufinkontinenz | Die Blase entleert sich nicht vollständig, z. B. bei vergrößerter Prostata oder Harnröhrenverengung. |
Diagnostik vor der Entscheidung
Vor einer Operation steht eine gründliche Abklärung: Gespräch, Miktionstagebuch (Protokoll über Trinkmenge, Toilettengänge und Urinverlust), oft ein Vorlagentest zur Messung des Urinverlusts, Urinuntersuchung, Ultraschall mit Bestimmung des Restharns und Harnstrahlmessung. In vielen Fällen kommen eine Blasenspiegelung und gegebenenfalls eine Blasendruckmessung (Urodynamik) hinzu. [PRÜFEN: in der Praxis übliche Voruntersuchungen]
Behandlung: Männerschlinge und künstlicher Schließmuskel
Für die Belastungsinkontinenz nach einer Prostata-Operation werden vor allem zwei Verfahren eingesetzt. Welches für Sie infrage kommt, hängt vor allem davon ab, wie viel Urin Sie verlieren, ob eine Bestrahlung stattgefunden hat und wie Ihr Schließmuskel noch arbeitet.
Die Männerschlinge
Bei der Männerschlinge wird ein schmales Band aus Kunststoffgewebe über einen kleinen Schnitt am Damm (zwischen Hodensack und After) unter die Harnröhre gelegt. Das Band stützt die Harnröhre und unterstützt so die verbliebene Funktion des Schließmuskels. Es gibt keine Pumpe und nichts, was Sie bedienen müssen; das Wasserlassen erfolgt wie gewohnt. [PRÜFEN: welches Schlingensystem in der Praxis verwendet wird]
Die Schlinge kommt vor allem bei leichter bis mittlerer Belastungsinkontinenz infrage, wenn der Schließmuskel noch eine Restfunktion hat. Nach einer Bestrahlung ist sie oft weniger geeignet.
Der künstliche Schließmuskel (artifizieller Sphinkter)
Der künstliche Schließmuskel ist ein vollständig im Körper liegendes, mit Flüssigkeit gefülltes System. Ein bekanntes Modell ist der AMS 800 des Herstellers Boston Scientific. Er besteht aus drei Teilen:
- einer Manschette, die um die Harnröhre gelegt wird und sie verschließt,
- einer kleinen Pumpe im Hodensack,
- einem Druckreservoir (Ballon) im Unterbauch.
Im Alltag ist die Manschette gefüllt und hält die Harnröhre geschlossen. Zum Wasserlassen drücken Sie einige Male auf die Pumpe; die Flüssigkeit fließt in das Reservoir, die Harnröhre öffnet sich, und die Blase kann sich entleeren. Nach kurzer Zeit füllt sich die Manschette von selbst wieder und verschließt die Harnröhre erneut. [PRÜFEN: Zeit bis zum erneuten Verschluss]
Der künstliche Schließmuskel kommt vor allem bei mittlerer bis starker Inkontinenz infrage, auch nach einer Bestrahlung. Damit das Gewebe abheilen kann, wird das System nach der Operation zunächst nicht aktiviert, sondern erst bei einem Kontrolltermin einige Wochen später. [PRÜFEN: Zeitpunkt der Aktivierung]
Ablauf Schritt für Schritt
1. Beratung und Untersuchung. Wir besprechen Vorgeschichte, bisherige Behandlungen und Befunde und klären gemeinsam, welches Verfahren infrage kommt und welche Erwartungen realistisch sind.
2. Vorbereitung. Der Urin muss vor der Operation frei von Bakterien sein; eine Infektion wird vorher behandelt. Weil Implantate empfindlich gegenüber Keimen sind, ist eine sorgfältige Hygiene im Genitalbereich wichtig. Blutverdünnende Medikamente werden gegebenenfalls nach ärztlicher Absprache pausiert oder umgestellt – setzen Sie sie bitte nicht eigenständig ab.
3. Die Operation. Der Eingriff erfolgt über einen Schnitt am Damm, beim künstlichen Schließmuskel zusätzlich über einen kleinen Schnitt im Unterbauch oder in der Leiste. [PRÜFEN: Zugangswege in der Praxis] Zum Schutz vor Infektionen werden Antibiotika gegeben.
4. Nach der Operation. Für kurze Zeit liegt ein Blasenkatheter. Nach seiner Entfernung wird geprüft, ob Sie gut Wasser lassen können und wie viel Restharn verbleibt.
5. Aktivierung und Nachsorge. Beim künstlichen Schließmuskel folgen die Aktivierung und eine genaue Einweisung in die Bedienung der Pumpe. Danach finden regelmäßige Kontrollen statt (siehe „Heilung und Nachsorge“).
Risiken und mögliche Komplikationen
Wie jede Operation ist auch die Inkontinenz-OP mit Risiken verbunden. Bei Implantaten kommen einige besondere Risiken hinzu. Wir besprechen sie im Aufklärungsgespräch ausführlich.
In der Heilungsphase
- Schmerzen und Schwellung am Damm, im Hodensack oder in der Leiste. Sie bilden sich in der Regel in den ersten Wochen zurück.
- Blutung oder Bluterguss im Wundgebiet.
- Schwierigkeiten beim Wasserlassen: Vor allem nach einer Schlinge kann die Blasenentleerung anfangs erschwert sein. Selten ist dann vorübergehend erneut ein Katheter nötig.
- Harnwegsinfektion.
Im weiteren Verlauf
- Infektion des Implantats: Sie ist selten, aber ernst. In den meisten Fällen muss das Implantat dann entfernt werden. Nach dem Abheilen kann später ein neues eingesetzt werden.
- Erosion: Das Band oder die Manschette kann sich in die Harnröhre einarbeiten. Auch dann ist in der Regel eine Entfernung nötig.
- Technischer Defekt: Beim künstlichen Schließmuskel können Teile des Systems im Laufe der Jahre undicht werden oder ausfallen. Dann ist ein Austausch oder eine Revisionsoperation nötig. Ein Implantat hält nicht unbegrenzt.
- Erneuter Urinverlust: Das Gewebe der Harnröhre unter der Manschette kann mit der Zeit dünner werden. Dann kann wieder mehr Urin verloren gehen, und eine Anpassung wird nötig.
- Verbleibende Inkontinenz: Eine Operation kann den Urinverlust deutlich verringern. Ob Sie danach ganz ohne Vorlagen auskommen, lässt sich vorher nicht zusagen. Manche Männer benötigen weiterhin eine dünne Sicherheitsvorlage.
- Gefühlsstörungen oder anhaltende Beschwerden im Bereich von Damm oder Hodensack.
- Allgemeine Risiken von Operation und Narkose, z. B. Thrombose, die im Aufklärungsgespräch besprochen werden.
Wichtig für später: Bei einem künstlichen Schließmuskel muss das System vor jedem Blasenkatheter und jeder Blasenspiegelung deaktiviert werden (siehe „Häufige Fragen“).
Alternativen zur Inkontinenz-OP
Bevor eine Operation infrage kommt, werden in der Regel konservative Maßnahmen ausgeschöpft.
- Abwarten und beobachten: Nach einer Prostatektomie bessert sich die Kontinenz bei vielen Männern im Laufe der ersten Monate von selbst. [PRÜFEN: ärztliche Aussage zum üblichen Zeitraum]
- Beckenbodentraining: Gezieltes Training unter physiotherapeutischer Anleitung stärkt Schließmuskel und Beckenboden und ist die wichtigste Maßnahme in der ersten Zeit nach der Operation. Unterstützend können Biofeedback oder Elektrostimulation eingesetzt werden.
- Anpassungen im Alltag: Die Trinkmenge über den Tag verteilen, abends weniger trinken, Kaffee und Alkohol reduzieren und gegebenenfalls Übergewicht abbauen.
- Medikamente: Bei einer Dranginkontinenz oder einem Anteil davon können Medikamente helfen, die die Blase beruhigen. Sie haben eigene Nebenwirkungen, die wir mit Ihnen besprechen.
- Botox-Injektionen in die Blase: Bei ausgeprägter Dranginkontinenz, die auf Medikamente nicht ausreichend anspricht, kann Botulinumtoxin in die Blasenwand gespritzt werden; die Behandlung muss nach einiger Zeit wiederholt werden. [PRÜFEN: wird in der Praxis angeboten?]
- Hilfsmittel: Vorlagen, ein Kondom-Urinal oder eine Penisklemme können den Alltag erleichtern, zum Beispiel wenn eine Operation nicht infrage kommt oder nicht gewünscht ist.
- Weitere operative Verfahren: etwa einstellbare Systeme oder das Unterspritzen der Harnröhre. Sie unterscheiden sich in Wirkung und Datenlage; welche Optionen sinnvoll sind und wo sie angeboten werden, besprechen wir im Beratungsgespräch.
Heilung und Nachsorge
- Katheter: Er wird nach kurzer Zeit entfernt. [PRÜFEN: übliche Liegedauer]
- Schonung: Verzichten Sie einige Wochen auf schweres Heben, Radfahren, Reiten und Sport. Vermeiden Sie längeres Sitzen auf harten Flächen, das Druck auf den Damm ausübt. [PRÜFEN: Dauer in Wochen]
- Stuhlgang: Achten Sie auf weichen Stuhlgang, damit Sie nicht stark pressen müssen.
- Geschlechtsverkehr: erst nach Abschluss der Wundheilung und nach ärztlicher Rücksprache. [PRÜFEN: Dauer in Wochen]
- Aktivierung des Schließmuskels: Bis dahin bleibt die Manschette offen, und Sie verlieren weiterhin Urin. Bei der Aktivierung üben wir mit Ihnen die Bedienung der Pumpe.
- Beckenbodentraining: Es kann auch nach einer Schlinge sinnvoll sein, das Training fortzusetzen.
- Arbeitsfähigkeit: abhängig von Ihrer Tätigkeit. [PRÜFEN: Dauer]
- Kontrollen: Kurz nach der Operation, bei der Aktivierung und danach in regelmäßigen Abständen, auch langfristig. [PRÜFEN: Zeitpunkte der Kontrollen]
Melden Sie sich bitte zeitnah, wenn Fieber auftritt, sich das Wundgebiet rötet, anschwillt oder stärker schmerzt, wenn Sie kein Wasser mehr lassen können oder wenn plötzlich wieder deutlich mehr Urin verloren geht.
Kosten
Die Kosten hängen vom gewählten Verfahren ab und werden im Beratungsgespräch transparent besprochen. Als Orientierung liegen sie für eine Inkontinenz-OP nach Prostatektomie bei ca. 4.500–5.000 €. Masculine ist eine reine Privatpraxis; abgerechnet wird nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). [PRÜFEN: gilt der Betrag für Schlinge und künstlichen Schließmuskel gleichermaßen? Was ist enthalten, z. B. Implantat, Narkose und Klinikaufenthalt?]
Häufige Fragen zur Inkontinenz-OP beim Mann
Wie lange sollte ich nach der Prostata-Operation warten?
Weil sich die Kontinenz in den ersten Monaten häufig noch bessert, wird eine Operation in der Regel erst erwogen, wenn trotz Beckenbodentraining keine wesentliche Besserung mehr eintritt. [PRÜFEN: übliche Wartezeit]
Schlinge oder künstlicher Schließmuskel – was ist besser für mich?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Schlinge kommt eher bei leichterer Inkontinenz und ohne vorherige Bestrahlung infrage, der künstliche Schließmuskel eher bei stärkerem Urinverlust oder nach einer Bestrahlung. Die Entscheidung treffen wir gemeinsam auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse.
Werde ich nach der Operation vollständig trocken?
Ziel der Operation ist, den Urinverlust deutlich zu verringern. Wie gut das gelingt, ist individuell verschieden; eine vollständige Kontinenz kann nicht zugesagt werden. Manche Männer tragen danach weiterhin eine dünne Vorlage zur Sicherheit.
Wie lange hält ein künstlicher Schließmuskel?
Als mechanisches System kann er im Laufe der Jahre verschleißen. Dann ist ein Austausch einzelner Teile oder des gesamten Systems möglich. [PRÜFEN: ärztliche Angabe zur durchschnittlichen Haltbarkeit]
Was passiert, wenn ich später einen Katheter brauche?
Vor jedem Katheter und jeder Blasenspiegelung muss ein künstlicher Schließmuskel deaktiviert werden. Informieren Sie behandelnde Ärztinnen und Ärzte deshalb immer über Ihr Implantat und tragen Sie den Implantatausweis bei sich.
Kann gleichzeitig eine Erektionsstörung behandelt werden?
Nach einer Prostatektomie leiden manche Männer zusätzlich unter einer Erektionsstörung. In geeigneten Fällen kann ein künstlicher Schließmuskel mit einer Penisprothese kombiniert werden. Ob das für Sie infrage kommt, klären wir im Beratungsgespräch. [PRÜFEN: wird die kombinierte Operation in der Praxis angeboten?]
Beratung bei Dr. med. Aref Elseweifi
Dr. med. Aref Elseweifi ist Facharzt für Urologie mit 39 Jahren Berufserfahrung und auf die rekonstruktive Chirurgie des Mannes spezialisiert. Im persönlichen Gespräch klären wir, welche Form der Inkontinenz vorliegt, welche konservativen Möglichkeiten noch offen sind und ob eine Operation für Sie sinnvoll ist – diskret und ohne Zeitdruck. Weitere Eingriffe an Prostata und Harnröhre finden Sie in der Übersicht der Behandlungen.
Die Beratung findet in der Praxis in Berlin-Zehlendorf (Teltower Damm 35, 14169 Berlin) statt; operiert wird in der Klinik Schöneberg (Fuggerstraße 23, 10777 Berlin).
Beratung anfragen · [Anrufen: 030 5057 9324](tel:+493050579324)
Quellen: EAU Guidelines on the Management of Non-neurogenic Male LUTS, 2026: https://uroweb.org/guidelines/management-of-non-neurogenic-male-luts (Abschnitt zur Inkontinenz nach Prostatektomie) · [PRÜFEN: deutschsprachige Leitlinie zur Harninkontinenz des Mannes (DGU/AWMF) – aktuelle Version und Link] · [PRÜFEN: Herstellerinformation Boston Scientific zum AMS 800]
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.
Medizinisch geprüft von Dr. med. Aref Elseweifi, Facharzt für Urologie · Stand: [PRÜFEN]
