Hypospadie beim Mann: Korrektur im Erwachsenenalter und Folgeeingriffe
Bei einer Hypospadie mündet die Harnröhre nicht an der Spitze der Eichel, sondern weiter unten an der Unterseite des Penis. Die Fehlbildung ist angeboren und wird meist schon im Kindesalter operiert. Manche Männer haben jedoch eine leichte, nie behandelte Hypospadie oder leben mit Beschwerden, die nach einer Operation in der Kindheit zurückgeblieben sind.
Auf dieser Seite erfahren Sie, wann eine Hypospadie-Korrektur oder ein Folgeeingriff sinnvoll sein kann, wie die Operation abläuft, welche Risiken bestehen und welche Alternativen infrage kommen.
Für wen kommt eine Hypospadie-Korrektur infrage?
Masculine ist eine Praxis für Männer. Im Mittelpunkt dieser Seite stehen deshalb Jugendliche und Erwachsene, bei denen eine Hypospadie erst spät behandelt wird oder bei denen nach einer früheren Operation erneut Beschwerden auftreten. [PRÜFEN: Welche Altersgruppen behandelt Dr. Elseweifi – Erwachsene, Jugendliche, auch Kinder?]
Eine Operation kann infrage kommen bei:
- einer bisher nicht operierten Hypospadie, die beim Wasserlassen, beim Geschlechtsverkehr oder im Selbstbild belastet,
- einer Fistel nach einer früheren Operation, also einer zusätzlichen kleinen Öffnung an der Unterseite des Penis, aus der beim Wasserlassen Urin austritt,
- einer Verengung der Harnröhrenmündung (Meatusstenose) oder der Harnröhre (Harnröhrenstriktur) mit abgeschwächtem oder gespaltenem Harnstrahl,
- einer verbliebenen Krümmung des Penis bei der Erektion,
- einer Aussackung der Harnröhre (Divertikel), in der sich Urin sammelt und nachtröpfelt,
- Haarwuchs in der Harnröhre, wenn bei einer früheren Operation behaarte Haut verwendet wurde,
- einem Aussehen nach früheren Eingriffen, das als belastend empfunden wird – etwa durch Narben oder eine ungewöhnliche Form der Vorhaut.
Wann ist eine Operation nicht nötig?
Eine leichte Hypospadie, bei der die Harnröhre nahe der Eichelspitze mündet und weder Wasserlassen noch Sexualität beeinträchtigt sind, muss nicht operiert werden. Ob ein Eingriff sinnvoll ist, entscheiden Sie nach der Untersuchung und einer ausführlichen Aufklärung selbst.
Gegen eine Operation zum aktuellen Zeitpunkt können zum Beispiel eine akute Harnwegs- oder Hautentzündung im Genitalbereich sprechen. Eine solche Entzündung wird zuerst behandelt. [PRÜFEN: weitere Gegenanzeigen, z. B. Gerinnungsstörungen, Narkosefähigkeit, Zeitabstand zur letzten Operation]
Ursachen und Hintergrund: Was ist eine Hypospadie?
In der Entwicklung im Mutterleib schließt sich die Harnröhre an der Unterseite des Penis von hinten nach vorne. Bleibt dieser Verschluss unvollständig, liegt die Harnröhrenmündung an einer falschen Stelle. Das nennt man Hypospadie. Umgangssprachlich wird sie manchmal als „gespaltene Eichel“ bezeichnet.
Die Hypospadie gehört zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen der männlichen Genitalien. [PRÜFEN: Häufigkeit mit Quelle; die alte Seite nennt sie „die häufigste urogenitale Fehlbildung bei Jungen“ – laut Fachliteratur ist der Hodenhochstand häufiger] Warum sie entsteht, ist meist nicht im Einzelfall zu klären. Diskutiert werden erbliche und hormonelle Einflüsse.
Formen der Hypospadie
Je nachdem, wo die Harnröhre mündet, werden verschiedene Formen unterschieden:
| Form | Lage der Harnröhrenmündung |
|---|---|
| Distale (vordere) Hypospadie | an der Eichel oder direkt unterhalb der Eichel – die häufigste und meist leichteste Form |
| Mittlere Hypospadie | am Penisschaft |
| Proximale (hintere) Hypospadie | am Übergang zum Hodensack, am Hodensack oder am Damm |
Häufig kommen weitere Merkmale hinzu: Die Vorhaut ist an der Unterseite nicht geschlossen und liegt wie eine Schürze über der Eichel, und der Penis kann bei der Erektion nach unten gekrümmt sein. Bei ausgeprägten Formen können zusätzliche Fehlbildungen bestehen, zum Beispiel ein Hodenhochstand.
Warum Beschwerden auch im Erwachsenenalter auftreten
Eine Hypospadie-Operation im Kindesalter ist ein anspruchsvoller rekonstruktiver Eingriff. Auch nach einer zunächst gut verlaufenen Operation können sich mit dem Wachstum in der Pubertät oder Jahre später Probleme zeigen, etwa eine Verengung, eine Fistel oder eine Krümmung. Nach mehreren Voroperationen ist das Gewebe oft vernarbt, was die Planung eines erneuten Eingriffs beeinflusst.
Behandlung und Ablauf der Hypospadie-Korrektur
Ziel der Operation ist, dass die Harnröhre möglichst an der Eichelspitze mündet, der Harnstrahl gerichtet ist und der Penis bei der Erektion gerade ist. Welche Technik dafür geeignet ist, hängt von der Form der Hypospadie, von früheren Eingriffen und vom vorhandenen Gewebe ab.
Ablauf Schritt für Schritt
1. Beratung und Untersuchung. Am Anfang stehen ein ausführliches Gespräch über Ihre Beschwerden und frühere Operationen sowie die körperliche Untersuchung. Bringen Sie, wenn möglich, alte Operationsberichte mit. Je nach Befund folgen eine Harnstrahlmessung (Uroflowmetrie), ein Ultraschall der Blase zur Bestimmung des Restharns und eine Röntgen- oder Spiegeluntersuchung der Harnröhre. Eine Krümmung lässt sich gut anhand eines Fotos des erigierten Penis beurteilen, das Sie zu Hause aufnehmen.
2. Aufklärung und Planung. Wir erklären Ihnen, welches Verfahren infrage kommt, ob der Eingriff in einem oder in zwei Schritten erfolgt und welche Risiken bestehen. Danach unterschreiben Sie die Einwilligung. Rauchen kann die Wundheilung beeinträchtigen; ein Rauchverzicht vor und nach der Operation ist deshalb sinnvoll.
3. Die Operation. Je nach Ausgangslage kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz:
- Neubildung der Harnröhre aus örtlichem Gewebe: Bei vielen distalen Formen kann die fehlende Harnröhrenstrecke aus der vorhandenen Harnröhrenplatte und Haut des Penis oder der Vorhaut gebildet werden.
- Mundschleimhaut als Ersatzgewebe: Reicht das örtliche Gewebe nicht aus, etwa nach mehreren Voroperationen, wird häufig Schleimhaut aus der Wange oder Unterlippe verwendet. Die alte Seite nennt für die Korrektur Vorhautplatten und Wangenschleimhautlappen.
- Eingriff in zwei Schritten: Bei ausgeprägten Befunden und bei Wiederholungseingriffen wird oft zweizeitig operiert. Im ersten Schritt wird Gewebe eingesetzt und darf einheilen; im zweiten Schritt, nach mehreren Monaten, wird daraus die neue Harnröhre geformt. [PRÜFEN: Abstand zwischen den Eingriffen]
- Fistelverschluss: Eine Fistel wird ausgeschnitten und in mehreren Gewebeschichten verschlossen.
- Begradigung: Eine Krümmung wird in derselben Operation oder getrennt korrigiert. Mehr dazu auf der Seite Penisaufrichtung.
- Behandlung einer Verengung: Eine Meatusstenose kann durch eine Erweiterung der Harnröhrenmündung behandelt werden. Längere Verengungen werden wie eine Harnröhrenstriktur behandelt, siehe Harnröhrenrekonstruktion.
[PRÜFEN: Welche dieser Verfahren bietet Dr. Elseweifi an? Ein- oder zweizeitig als Standard bei Erwachsenen?]
Nach der Operation wird der Urin für einige Tage über einen Katheter abgeleitet, damit die neue Harnröhre heilen kann. [PRÜFEN: Katheterart und Dauer]
4. Nachsorge. Es folgen Kontrolltermine zur Wundheilung, zum Entfernen des Katheters und später zur Beurteilung des Harnstrahls (siehe „Heilung und Nachsorge“).
Vorhaut und Beschneidung
Die Vorhaut kann als Gewebe für die Rekonstruktion benötigt werden. Deshalb sollte bei einer Hypospadie vor einer geplanten Zirkumzision zuerst die Harnröhre abgeklärt werden. Die alte Seite empfiehlt, bei Kindern erst nach der Korrektur der Hypospadie zu beschneiden.
Risiken und mögliche Komplikationen
Die Korrektur einer Hypospadie ist ein feiner rekonstruktiver Eingriff. Komplikationen sind möglich, und manchmal ist eine weitere Operation nötig. Nach Fachliteratur ist das Risiko bei Erwachsenen und bei Wiederholungseingriffen höher als bei der ersten Operation im Kindesalter. [PRÜFEN: ärztliche Aussage und Quelle] Wir besprechen die Risiken im Aufklärungsgespräch ausführlich.
In der Heilungsphase
- Schwellung, Blutergüsse und Schmerzen: Sie sind in den ersten Tagen üblich und lassen sich mit Schmerzmitteln behandeln.
- Blutungen und Nachblutungen.
- Infektion und Wundheilungsstörungen: Die Naht kann teilweise aufgehen; dann ist manchmal eine erneute Operation nötig.
- Schmerzhafte Erektionen: Nächtliche Erektionen können in den ersten Wochen auf die Naht drücken.
- Beschwerden an der Entnahmestelle im Mund, wenn Mundschleimhaut verwendet wird: Schmerzen beim Essen, Spannungsgefühl oder Taubheit an Wange oder Lippe, die sich meist zurückbilden.
Im weiteren Verlauf
- Fistel: Eine neue kleine Öffnung an der Unterseite des Penis, aus der Urin austritt. Sie gehört zu den häufigeren Komplikationen und wird in der Regel in einem weiteren Eingriff verschlossen.
- Verengung (Stenose oder Striktur): Die Harnröhrenmündung oder die neue Harnröhre kann sich durch Narben verengen. Der Harnstrahl wird dann schwächer. Eine Behandlung kann eine Erweiterung oder eine weitere Operation sein.
- Aussackung der Harnröhre (Divertikel) mit Nachtröpfeln nach dem Wasserlassen.
- Verbleibende oder erneute Krümmung des Penis.
- Gefühlsveränderungen an Penis oder Eichel und sichtbare Narben.
- Erneuter Eingriff: Nicht jedes Ziel wird mit einer Operation erreicht. Manche Männer benötigen mehrere Eingriffe.
- Allgemeine Risiken von Operation und Narkose, etwa Thrombose oder Narkosereaktionen.
[PRÜFEN: Häufigkeiten von Fistel, Striktur und Re-Operation bei Erwachsenen mit Quelle – bisher bewusst ohne Zahlen]
Alternativen zur Operation
- Abwarten und beobachten: Bei einer leichten Hypospadie ohne Beschwerden ist keine Behandlung nötig. Verändern sich die Beschwerden, ist eine erneute Untersuchung sinnvoll.
- Anpassung im Alltag: Bei einem leicht abgelenkten Harnstrahl reicht manchen Männern, im Sitzen zu urinieren.
- Erweiterung der Harnröhrenmündung oder der Harnröhre: Bei einer kurzen Verengung kann eine Aufdehnung oder ein Harnröhrenschnitt von innen infrage kommen. Diese Behandlungen sind weniger aufwendig, eine erneute Verengung ist aber häufiger. Mehr dazu unter Harnröhrenrekonstruktion.
- Teilkorrektur: Steht nur eine Beschwerde im Vordergrund, etwa eine Krümmung oder eine Fistel, kann auch nur diese behandelt werden, ohne die gesamte Harnröhre neu zu bilden.
Was für Sie infrage kommt, hängt von Ihren Beschwerden und Ihren eigenen Zielen ab.
Heilung und Nachsorge
- Katheter: Der Urin wird für einige Tage über einen Katheter abgeleitet. [PRÜFEN: Dauer]
- Verband: Ein Druckverband schützt die Wunde in den ersten Tagen. [PRÜFEN: Dauer]
- Medikamente: Je nach Eingriff erhalten Sie Antibiotika und Schmerzmittel; manchmal auch ein Mittel, das nächtliche Erektionen dämpft. [PRÜFEN: ärztliches Vorgehen]
- Baden, Schwimmen und Sport: erst nach Abschluss der Wundheilung. [PRÜFEN: Anzahl der Wochen]
- Geschlechtsverkehr und Selbstbefriedigung: erst nach ärztlicher Freigabe. [PRÜFEN: Anzahl der Wochen]
- Kontrollen: zur Entfernung des Katheters, zur Wundkontrolle und später mit Harnstrahlmessung. Verengungen können sich auch noch nach Monaten zeigen; deshalb sind Kontrollen über einen längeren Zeitraum sinnvoll. [PRÜFEN: Nachsorgeschema]
Melden Sie sich bitte zeitnah, wenn Fieber, zunehmende Rötung, Schwellung, Schmerzen, Urinaustritt an der Wunde oder ein deutlich schwächerer Harnstrahl auftreten.
Kosten
Die Kosten hängen von der Form der Hypospadie, von früheren Operationen und vom geplanten Verfahren ab – etwa davon, ob ein oder zwei Eingriffe nötig sind. Sie werden nach der Untersuchung im Beratungsgespräch transparent besprochen. Masculine ist eine reine Privatpraxis; abgerechnet wird nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). [PRÜFEN: GOÄ-Prüfung des Kostenhinweises vor Veröffentlichung]
Häufige Fragen zur Hypospadie
Kann eine Hypospadie auch im Erwachsenenalter korrigiert werden?
Ja, eine Korrektur ist grundsätzlich auch bei Erwachsenen möglich. Das Gewebe heilt jedoch anders als bei Kindern, und das Risiko für Komplikationen gilt als höher. Ob und wie operiert wird, klären Untersuchung und Beratungsgespräch. [PRÜFEN: ärztliche Aussage]
Ich wurde als Kind operiert und habe jetzt wieder Beschwerden. Was kann ich tun?
Beschwerden wie ein schwacher Harnstrahl, Urinaustritt an einer zweiten Stelle oder eine Krümmung lassen sich in vielen Fällen erneut behandeln. Am Anfang steht eine genaue Untersuchung. Bringen Sie, wenn vorhanden, die alten Operationsberichte mit.
Muss eine leichte Hypospadie operiert werden?
Nein. Wenn Wasserlassen und Sexualität nicht beeinträchtigt sind, ist eine Operation nicht nötig. Sie kann aber auf Wunsch nach ausführlicher Aufklärung besprochen werden.
Hat eine Hypospadie Einfluss auf die Fruchtbarkeit?
Die Hypospadie betrifft die Harnröhre, nicht die Hoden. Bei ausgeprägten Formen oder einer Krümmung kann der Samenerguss aber behindert sein. Bei hinteren Formen können zusätzliche Fehlbildungen wie ein Hodenhochstand bestehen, die im Gespräch mit abgeklärt werden. [PRÜFEN: ärztliche Aussage]
Wann kann ich wieder Geschlechtsverkehr haben?
Erst wenn die Wunde vollständig verheilt ist und Sie bei der Kontrolle die ärztliche Freigabe erhalten haben. [PRÜFEN: Anzahl der Wochen]
Kann gleichzeitig eine Penisverkrümmung behandelt werden?
Ja, häufig wird eine Krümmung im selben Eingriff begradigt. Bei manchen Befunden ist ein getrennter Eingriff sinnvoller. Mehr dazu auf der Seite Penisaufrichtung.
Beratung bei Dr. med. Aref Elseweifi
Dr. med. Aref Elseweifi ist Facharzt für Urologie mit 39 Jahren Berufserfahrung und auf die Intimchirurgie und rekonstruktive Chirurgie des Mannes spezialisiert. Im persönlichen Gespräch klären wir, welche Form der Hypospadie oder welche Folge einer früheren Operation vorliegt, ob ein Eingriff für Sie sinnvoll ist und welche Alternativen es gibt – diskret und ohne Zeitdruck. Weitere Eingriffe an Prostata und Harnröhre finden Sie in der Übersicht der Behandlungen.
Die Beratung findet in der Praxis in Berlin-Zehlendorf (Teltower Damm 35, 14169 Berlin) statt; operiert wird in der Klinik Schöneberg (Fuggerstraße 23, 10777 Berlin).
Beratung anfragen · [Anrufen: 030 5057 9324](tel:+493050579324)
Quellen: EAU Guidelines on Urethral Strictures, 2026: https://uroweb.org/guidelines/urethral-strictures (Abschnitt zu Strikturen nach Hypospadie-Operation) · EAU Guidelines on Paediatric Urology, 2026, Kapitel „Hypospadias“: https://uroweb.org/guidelines/paediatric-urology/chapter/hypospadias · AWMF-Leitlinie 006-026 „Operative Behandlung der distalen, mittleren und proximalen Hypospadie“ (S2k, Stand März 2021, laut Register in Überarbeitung): https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/006-026
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.
Medizinisch geprüft von Dr. med. Aref Elseweifi, Facharzt für Urologie · Stand: [PRÜFEN]
